Die Gattung der Fichten (Picea) umfaßt etwa 45 botanische Arten und ist
auf der nördlichen Halbkugel in Gebieten mit gemäßigtem bis kühlem
Klima weit verbreitet; nur wenige Arten kommen auch in den Hochgebirgen
Mittelamerikas und Nordindiens vor. Diese betont nördliche Verbreitung,
im Gegensatz zu den Kiefern, ist der Grund für die nur wenigen
Versuche, die Fichten auch außerhalb ihres großräumigen, natürlichen
Verbreitungsgebietes zu kultivieren. Dagegen wurde die Fichte innerhalb
dieses Gebiets, besonders in Europa durch forstliche Maßnahmen so stark
verbreitet, daß sie hier seit langem der wichtigste Holzerzeuger ist.
Das Aussehen, die technischen Eigenschaften und auch die
feinstrukturellen Merkmale der wirtschaftlich wichtigen Fichtenhölzer -
außer Sitka* - ähneln sich so stark, daß eine zuverlässige
Unterscheidung nach Arten unmöglich ist. Allerdings können bei allen
Arten (durch Alter, Standort und Kulturmaßnahmen) die Jahrringbreiten,
die Spätholzanteile und die Astigkeit sich so unterschiedlich
ausbilden, daß eine Veränderung der die Verwendung beeinflussenden
Eigenschaften eintritt. Aus diesem Grunde kann das Wuchsgebiet nicht
allein als Qualitätsmerkmal gesehen werden.") Sitka-Fichte.
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Natürliche Verbreitung und botanische Bezeichnungen
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1. Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien,
Jugoslawien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland
(europäisch), Schweden, Tschechoslowakei, Ungarn;
2. Russland (asiatisch);
3. Jugoslawien.
1. Picea abies (=P. excelsa);
2. Picea obovata (= excelsa var. obovata);
3. Picea omorica.
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Weitere Handelsnamen
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1. Baltic Whitewood, Europäische Fichte, Karpathen Fichte, Nordische
Fichte, Norway Spruce, Rotfichte, Rottanne, Spruce, Weißholz;
2. Altai Fichte, Sibirische Fichte;
3. Frenja, Morika, Omorika Fichte, Serbische Fichte.
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Kurzzeichen nach DIN 4076 Blatt 1
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FI (=Picea abies 1)
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Beschreibung
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Stammform
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Auffällig geradschäftige und zylindrische Stämme, teils mit Neigung zum
Drehwuchs und bei Omorika (3) zu verstärkter Abholzigkeit. Größte
Dimensionen bei Europäischer Fichte (1) mit Durchmessern bis 1,5 m und
astfreien Längen bis 28 m. Aus wirtschaftlichen Erwägungen erfolgt der
Einschlag ab 7 cm bis 70 cm Durchmesser. - Die Sibirische Fichte (2)
ist kleiner und selten stärker als 40 cm, obwohl häufig aus sehr alten
Beständen stammend.
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Farbe und Struktur des Holzes
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(gültig für alle drei Arten): Splint und Kern sind weder im feuchten
noch im trockenen Zustand deutlich unterscheidbar. Farbe und Struktur
werden durch die unterschiedlichen Jahrringbreiten und das hellere
Früh- und das dunklere Spätholz bestimmt. Frisch gehobeltes Holz ist
fast weiß und matt glänzend, da das helle Frühholz stets überwiegt. Das
Spätholz, höchstens ein Viertel der Jahresringbreite betragend, ist
gelblich- bis rötlichbraun und nur zum nächst jüngeren Frühholz scharf
abgesetzt. Durch den regelmäßigen Wechsel zwischen breiterem und
hellerem Frühholz zu dunklerem, schmalem Spätholz entstehen auf den
tangentialen Flächen regelmäßig Fladern und bei Radialschnitten sehr
schmale Streifen. Die fast weiße Grundfarbe neigt bei starker
Belichtung leicht zum Vergilben. Die Jahrringbreiten betragen bei
Durchmessern um 40 cm meist 2 bis 4 mm; vereinzelt, vor allem bei alten
Bäumen von Hochlagen, kann die Jahrringbreite über weite Teile des
Querschnittes geringer als 1 mm sein („feinjährig"). Die Holzstrahlen
sind sehr schmal und nur auf radialen Flächen als niedrige Spiegel
erkennbar. Die feinen Harzkanäle, meist in kleinen tangentialen Gruppen
angeordnet, sind nur auf glatten Querschnitten mit der Lupe erkennbar.
— Die meist ovalen „Äste" sind gelblichbraun, meist heller und weicher
als bei Tanne. Faserverlauf überwiegend gerade, teils mit schwach oder
stark spiraligem Faserverlauf (Drehwuchs).
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Gesamtcharakter
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Sehr helles und durch Spätholz deutlich strukturiertes Holz.
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Abweichungen
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Starker Drehwuchs; durch Verharzung des Gewebes verursachte Rothärte
(Kienholz); Harzgallen; durch Pilzbefall (Rotfäule) verursachte
Rotfärbung; Haselwuchs durch feinwellige Jahrringe.
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Handelsformen:
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Rund als Masten, Pfähle, Stempel und Stangen sowie zum Schneiden, Schälen und Zerspanen:
geschnitten in vielfältigen Formen einschließlich Schindeln und Holzpflaster:
gehobelt u. a. als Leisten, Bretter und Profilholz sowie zu Bindern, Kanteln und Flächen verleimt.
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Daten
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Gewicht
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- ungetrocknet (Rundholz)
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ca.* 600 kg/m³
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- darrtrocken
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ca.* 0,40-0.45 g/cm³
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Druckfestigkeit (lufttrocken)
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ca.* 40-45 N/mm²
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Biegefestigkeit (lufttrocken)
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ca.* 60-70 N/mm²
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*) Mittelwerte aus den drei genannten Arten.
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Eigenschaften
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Die drei Fichtenarten entsprechen sich in den Eigenschaften ebenso
weitgehend wie im Holzbild. Es sind leichte, weiche und relativ
elastische sowie tragfähige Hölzer. Die Trocknung verläuft schnell und
ohne spezifische Schwierigkeiten, nur bei scharfer Trocknung können
feine Risse an der Ober-flache und sich lockernde Äste die Qualität
mindern. Das Stehvermögen ist meist gut, jedoch gelegentlich durch
einen zum Verziehen führenden Drehwuchs beeinträchtigt. Das Holz ist
leicht zu bearbeiten auch gut zu schälen und zu messern, soweit Zahl
und Größe der Äste gering sind. Qualitäten mit besonders breiten
Jahrringen neigen, wie auch andere weiche Nadelhölzer, zu wolligen
Flächen und unsauberen Bohrungen. Durch schleifende Beanspruchungen,
wie z.B. durch stumpfe Schleifbänder oder durch Begehen, neigen
Fichtenhölzer, ähnlich Kiefern, zu einer stärkeren Abnutzung der
weichen Frühholzzonen, wodurch eine leicht wellige Oberfläche entstehen
kann; ähnliches kann auch nach der Trocknung gehobelter Hölzer
eintreten. Die Schraub- und Nagelfestigkeit ist geringer als bei
Kiefern.
Fichtenhölzer sind fast geruchlos. Das Kernholz ist schwer
zu imprägnieren und im Außenbau nicht ausreichend resistent gegen
Pilzbefall; das Splintholz ist gegen Bläue weniger anfällig als das der
Kiefer. (Die in verschiedenen Gegenden übliche Außenverwendung ist
durch den dort besonders niedrigen Holzpreis und eine auf diese Holzart
abgestimmte, das Holz schützende Bauweise begründet.) - Die Resistenz
gegen schwache Laugen und Säuren ist relativ hoch.
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Oberflächenbehandlung
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Fichtenhölzer sind, nach Beseitigung eventueller Harzstellen, mit jedem
Mittel und nach jeder Methode, deckend oder „natuf, gut zu behandeln.
Hervorzuheben ist die gute Beizbarkeit auch bei Erhaltung der Spätholz-
und Frühholz-Struktur, wobei durch sogenannte Positiv-Verfahren das
natürlicherweise dunklere Spätholz als der dunklere und das Frühholz
als der hellere Teil erhalten bleiben. Zu beachten ist, daß durch
Bakterienbefall, wie z.B. nach langer Wasserlagerung möglich, eine
ungleiche Aufnahme der Mittel und dadurch eine Fleckenbildung entstehen
kann; die technische Verwendbarkeit des Holzes wird hierdurch nicht
beeinträchtigt. - Sonderformen sind die Behandlungen durch
Sandstrahlen, Bürsten und Brennen (Abflammen).
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Verwendungsbereiche
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Aufgrund der relativ guten Festigkeitseigenschaften - im Verhältnis zum
Gewicht - können Fichtenhölzer überall dort eingesetzt werden, wo keine
extremen Belastungen oder starke, die Oberfläche abnutzenden Effekte
auftreten. (Aber auch hier ist die Verwendung des relativ
preisgünstigen Fichtenholzes zu erwägen, wenn der Austausch abgenutzter
Teile unproblematisch ist.) Der Einsatz des ungeschützten Holzes
empfiehlt sich nicht für Zwecke, bei denen es der Feuchtigkeit
ausgesetzt ist. Wichtige Einsatzgebiete der Fichtenhölzer sind:
Rundholz: Untertage-, Tief-, Hoch- und Gartenbau;
Schnittholz: Dachstühle, Deckenbalken, Blindhölzer, Mittellagen für
Platten, Gerüste, Verschalungen, Kisten, Fässer und Paletten.
Hobelware: Profilholz (massiv) und sonstige Hobelware im Innen- und
Außenbau, Leitern, Leimbinder und feinjährige Qualitäten als
Resonanzholz für Musikinstrumente.
Sonstige Formen: Spanplatten, Chemieholz (Zellstoff und Zelluloseprodukte), Holzwolle.
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Austauschhölzer
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(entsprechend der Verwendung): Tanne, Kiefer. Hemlock sowie leichte
einheimische und überseeische Laubhölzer, z. B. Light Red Meranti.
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Anmerkungen
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Die Bezeichnung Fi/Ta weist auf die mögliche Beimischung des sehr
ähnlichen Tannenholzes {Abtes albä) hin. - Außer der Sitka-Fichte ist
mit geringen Einfuhren weiterer nordamerikanischer Arten zu rechnen,
die sich vom einheimischen Fichtenholz nicht grundsätzlich
unterscheiden .
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